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Teefarmer von Banzhang

Banzhang ist mit knapp 500 Einwohnern (113 Familien) ein wirklich großes Bergdorf. Banzhang ist ein Dorf der Aini, der zweitgrößten ethnischen Minderheit in Xishuangbanna. Die Aini gehören zur großen Gruppe der im kontinentalen Südostasien lebenden Akha, deren Siedlungsgebiet sich über den gesamten nördlichen Teil erstreckt.

In Banzhang kann man auch heute noch ein ausgeprägtes Gemeinwesen und eine große Vielfalt an lebendigen Traditionen beobachten: beispielsweise die noch häufig getragene traditionelle Kleidung, die traditionelle Bauweise der gras- oder schindelgedeckten Holzhäuser oder die seit nunmehr 150 Jahren praktizierte kommunale Waldbewirtschaftung.


Trotz der großen Abgeschiedenheit des Dorfes (bis zum nächsten Marktflecken sind es bei günstigen Bedingungen vier Stunden Traktorfahrt) findet man in Banzhang neben der eindrucksvollen Ursprünglichkeit auch viele Spuren moderner Entwicklungen. So gab es 1998 zum ersten Mal elektrischen Strom aus der Fernleitung.

Mittlerweile gibt es auch schon 30 Motorräder im Dorf und bei den meisten Familien steht heute, neben dem gutmütigen Wasserbüffel, der Traktor - das neue "Arbeitstier". Die ersten jungen Leute sind stolz auf ein eigenes Handy, das allerdings nur funktioniert, wenn man auf den höchsten Berg im Dorwald steigt.

In Banzhang gibt es eine Grundschule mit drei ausgebildeten Lehrern. Hier lernen die Kinder bis zum Abschluss der 6. Klasse. Danach gehen die meisten Schüler weiter auf die Mittelschule mit Internat in der 30 km entfernten Kreisstadt. Doch nicht alle - trotz einer allgemeinen Schulpflicht kostet das Lernen in China Geld. Die Schulgebühren sind der Grund dafür, dass noch einige Mädchen und Jungen nur den Schulabschluss der 6. Klasse besitzen. Sie stehen mit 13 Jahren in den Teegärten und auf den Feldern, um fleißig mitzuarbeiten. Dank der gestiegenen Einkommen - vor allem aus der Teeproduktion - ist das jedoch heute in Banzhang die Ausnahme (und nicht mehr die Regel).

Neben Tee kultivieren die Bauern von Banzhang vor allem Reis. Die Reisfelder liegen weit unterhalb des Dorfes in den tief eingeschnittenen Tälern einer savannenartigen Hügellandschaft, die unmittelbar außerhalb der schattigen Wälder beginnt. Reis wird vor allem für den eigenen Verzehr angebaut. Eine Vielzahl weiterer Produkte, die - wie der Tee - im Wald gepflanzt werden, sind für den Verkauf bestimmt. Dazu gehören unter anderem Rattan, Kardamom und Orchideen. Letztere liefern den Wirkstoff für die Herstellung von Heilmitteln.

 
(c) 2003 by Robert Thiel